Sonntag, Mai 17, 2015

Udo Kübler: Jonathan Simpson - Die große Enseimada (Anselmo Trilogie 1)

Da habe ich mich vom Kübler aber eindeutig an der Nase herumführen lassen. Zuerst macht er mir meine Vorliebe für Vampirromane madig und meint gleichzeitig, ich könne ja mit meiner bodenständigen Art mal eines seiner Jonathan-Simpson-Bücher lesen, wenn ich etwas Zeit hätte. Natürlich ist ihm sein Psychotrick auch aufgegangen. Erstens wollte ich ihm natürlich beweisen, kein süßer Teenager zu sein, der dem Team Edward nachhängt und andererseits habe ich mich natürlich durch das indirekte Lob für meine Rezis wertgeschätzt gefühlt. Also suche ich nach Jonathan Simpson und bin zu allererst etwas verwundert, dass die Trilogie schon vier Teile hat. Des Spanischen bin ich auch nicht mächtig, sodass sich der Witz um die Enseimada erst viel später aufklärt (wie auch die vier Teile der Trilogie). Das Cover lässt mich Böses ahnen und der Klappentext bestätigt es mir: Sowas lese ich eigentlich nicht. Um "sowas" mache ich doch eigentlich einen großen Bogen. Aber was muss, das muss eben. Ich lade den Titel also und an einem ruhigen Nachmittag mache ich mich ans Lesen...

... und bin direkt positiv überrascht. Denn der Prolog, der ja eigentlich schon eine Geschichte für sich selbst ist, spielt mit dem Verhältnis des Autors zu seinem Protagonisten und nimmt so einige Dogmen sich viel zu wichtig nehmender Autoren auf die Schippe. Schon der Prolog hätte für mich ewig so weitergehen können, ich habe mich köstlich amüsiert. Aber leider war er dann irgendwann zu Ende und der eigentliche Roman beginnt. Also Sinne sammeln, Kategorien ordnen und kritische Miene aufsetzen. Mich sieht beim Lesen zwar keiner, aber sicher ist sicher. Man will ja auch so aussehen, als nähme man seine Aufgabe ernst. Mit der ernsten Miene war es aber dann nicht weit her, ein Grinsen nach dem anderen stiehlt sich auf meine Lippen und irgendwann bekam ich es gar nicht mehr aus dem Gesicht. Dabei müsste ich, völlig objektiv betrachtet, durchaus herumkritteln, dass die Handlung ja weniger als mager vorhanden ist. Quasi überhaupt nicht da. Aber zum Glück ist man ja nicht nur eine analysierende Maschine, sondern auch ein Mensch mit Gefühlen und so. Denn obgleich nicht viel passiert, unterhalten hat mich der Kübler ja schon. Und zwar vortrefflich. Dem Kübler geht es nämlich gar nicht darum, die Handlung bis ins Detail auszufeilen und sämtliche Kniffe der Kunst anzuwenden. Im Gegenteil. Ihm geht es um das Erzählen selbst, lässt sich die Geschichte einfach so entwickeln. Gespickt ist das Ganze mit viel Humor und (Selbst-)Ironie. Das muss man dann schon deutlich hervorheben, dass der Kübler wirklich so gut erzählen kann, dass es gar keine Handlung braucht. Das will schon was heißen. So ein Autor ist mir ja noch nie untergekommen. Und irgendwie hat mich sein wirklich wunderbarer Schreibstil an meine Kindheit erinnert, ja, ich glaube, es war der Kästner, der mich genauso unterhalten hat.

Mit meinem immer tieferen Eintauchen in die "Indie-Szene" war dann auch der Epilog noch eine eigene Hausnummer für sich. Der ein oder andere Selfpublisher sollte wirklich mal einen Kübler lesen und über sich selbst lachen. Dann klappt's auch mit dem nächsten Roman wieder besser!

Erscheinungsdatum: Juli 2014

1 Kommentar:

  1. Und So beginnt es....
    Von Maromosch am 29. Juli 2017
    Format: Kindle Edition Verifizierter Kauf
    Besser als mit diesem Zitat aus einer meiner lieblings SF-Serie kann ich dieses Buch von Udo Kübler nicht beschreiben. Sein Markenzeichen ist ja das Gespräch mit seinem Protagonisten am ende jeder seiner Geschichten, hier fängt das gleich am Anfang schon damit an. Hätte ich nicht vorher schon andere Bücher von U.K. gelesen, wär das Teil wohl nach 10 Seiten auf dem nächsten Flohmarkt verramscht worden. Meine Empfehlung: mit The Real Gig und/oder Das Ginger-Komplott an diese Art der Geschichtenschreibung herantasten und wenn einem die gefallen , an seinen 'Erstgeborenen` wagen. Das Schöne ist nämlich das all seine Geschichten zwar Zitate Rückblicke und Anlehnungen ( auch an anderer Künstler Werke) beinhalten , aber doch jede in sich abgeschloßen ist und nicht, wie sonstige Buch...-Sequenzen, nur in Reih und Glied Sinn ergeben.

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